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2011-05(Mai)-20; HDAV-Seminar beim BDFA-LV Nordwest mit dem Programm Wings Platinum Drucken E-Mail
Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Film-Autoren e.V. (BDFA) http://www.bdfa.de/index0.html

 

Videos und Bilder in einer HDAV-Präsentation verbinden

Ein Seminar mit Dieter Hartmann

Meinem Bericht vom Seminar zum Thema „Videos und Bilder in einem Film bzw. einer Präsentation verbinden“ möchte ich ein paar Zeilen von Manfred Riep voranstellen.

 

Bei uns Filmern zählt erst ein kompletter Film als eine künstlerische Aussage. In der

Fotografie und der Malerei aber schon ein einziges Bild. Den Anfang von Multimedia

kann man vielleicht in den Moritatensängern des Mittelalters sehen. Sie besangen

schon Bilderserien. Das Einzelbild hatte eine Beziehung zum vorherigen und

nachfolgenden Bild. Auch die Fotografie begann früh Geschichten mit Bildern zu

erzählen. Bewegte Bilder brachte erst der Film. Im Gegensatz dazu ist das AV-Ziel

aber auch heute noch nicht Bewegung um jeden Preis. Die Stärke, Ausdruckskraft

und Emotion eines oder weniger Bilder, unterstützt durch Musik und Text sollen hier

unser Staunen erwecken. Perfekt, wenn es dem Autor gelingt, dieses Ziel in nur zehn Minuten zu erreichen.


Manfred Riep

 

Alles fing damit an, als ich als Ausrichter des Landeswettbewerbes des LV Nordwest im Frühjahr 2010 im Vorprogramm einen Film über eine USA-Reise zeigte, der nur aus Bildern bestand, die allerdings zum größeren Teil animiert waren. Von vielen Zuschauern wurde ich daraufhin angesprochen, doch mal zu erklären, wie man so etwas macht. Nun muß man wissen, daß dieser „Dia-Film“ aus einer Not heraus entstanden war: bei der Reise hat meine Super-8 Kamera ihren Geist aufgegeben und ich hatte nur noch die Möglichkeit meine Reise mit Dias für spätere Erinnerungen festzuhalten. Die Dias lagen dann einige Jahre im Magazin und wurden eines Tages eingescannt. Dabei entstand die Idee, die Bilder in einem Film zu verarbeiten. Schnell zeigte sich, daß das mit meinem Videoschnittprogramm nicht besonders gut funktionierte, immer wieder mußte gerendert werden, um die Wirkung in Echtzeit beurteilen zu können. Irgendwann fiel mir eine Demo-CD mit Wings Platinum in die Hände und da die Basisversion kostenlos und unbegrenzt genutzt werden konnte, habe ich meinen Film dann damit fertiggestellt. Dabei habe ich gemerkt, daß das Zusammenstellen einer solchen „Dia-Schau“ etwas ganz anderes ist, als das Schneiden eines Videofilms und ich wollte mehr über die Gestaltung und Möglichkeiten wissen. Wie beim Filmen geht das am besten, wenn man sich möglichst viele dieser AV-Präsentationen anschaut, mit den Autoren redet, Fragen stellt, also neugierig ist. Diese Möglichkeit bot sich bei einer regionalen AV-Veranstaltung. Auch dort habe ich meinen USA-Dia-Film vorgeführt und ich konnte aus den Diskussionen danach sehr viel mitnehmen. Insbesondere zeigte sich, daß es zwar Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten bei diesen Schauen mit den Filmen gibt. Da ist zunächst der Anspruch beider Formen, eine Geschichte zu erzählen, der eine mit Bildern, der andere mit Videoclips. Dazu gehört die Vertonung. Auch da gibt es viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. So wirkt es in einer AV-Schau etwas eigenartig, wenn zu einem stehenden Bild von z. B. zwei Personen, die sich unterhalten, der Dialog zu hören ist, eine Situation, die beim Film dagegen zwingend erwartet wird.

In den letzten Jahren wurden immer mehr Camcorder angeboten, die auch Fotos machen können. Und seit einiger Zeit gibt es Fotoapparate, die in der Lange sind Videoclips im Full-HD Format aufzunehmen. Das führt zwangsläufig zu der Überlegung beim Filmer, kann ich solche Fotos in meinen Filmen verwenden und umgekehrt beim Fotografen, kann ich solche Videoclips nicht in meine AV-Schau einbauen. Macht man das, dann stellt man sehr schnell fest, daß stehende Bilder in Videofilmen sofort als solche erkannt werden und meist irgendwie stören. Ähnlich geht es dem Autor einer AV-Schau, wenn plötzlich Videoclips auftauchen. Andererseits sind in letzter Zeit Filme auch bei unserem Landeswettbewerb gezeigt worden, die es verstanden haben, neben Videoclips auch stehende Bilder so zusammenzuführen, daß der Zuschauer das gar nicht merkt. Auf der anderen Seite gibt es AV-Schauen, bei denen Videoclips wie selbstverständlich mit Bilder zusammen montiert sind. Da es sich hierbei um etwas ganz Neues für uns Filmer (und sicher auch Fotografen) handelt, hat der Landesverband Nordwest ein Seminar veranstaltet, das dieses Thema ausführlich behandelt.

Als Referenten konnten wir Herrn Dieter Hartmann gewinnen, nachdem wir ihm vorgetragen haben, was der Hintergrund für das Seminar ist. Eingeladen haben wir die Mitglieder des BDFA und auch Mitglieder des AV-Dialog. So konnten wir am 14. Mai im Kino des Hotel Meyer in Harsefeld 28 Teilnehmer begrüßen. Die meisten waren aus dem Landesverband Nordwest, einige kamen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein, es waren aber auch Mitglieder des AV-Dialog gekommen. Der Vortragende hat über das Thema „Wie verbinde ich Videos und Bilder in einem Film bzw. AV-Schau“, zum ersten Mal in dieser Form referiert, wie er mir nach dem Seminar gestand. Davon hat aber kein Teilnehmer etwas gemerkt.

Zur Einstimmung zu dem Thema sahen wir einen Film mit dem Titel „Bilder leuchten“ über die Geschichte der Projektion, angefangen mit den ersten Versuchen im späten Mittelalter. Der Film führte uns dann durch die Entwicklung der Möglichkeiten, Bilder und später Filme zu projizieren. Dieser Film bestand aus Bildern und Filmszenen und führte uns damit direkt in das Thema unseres Seminars. Wichtig war natürlich die Frage, worin unterscheiden sich Bilder und Videos. Eine eigentlich banale Frage, die Antworten zeigten dann aber neue Aspekte, die für das Thema wichtig sind. So haben Bilder, im Gegensatz zu Videos, keine zeitliche Begrenzung, dadurch lassen sich Bilder flexibler einsetzen. Zudem sprechen Bilder, vor allem wenn sie geschickt aufeinander abgestimmt sind, die Fantasie an, während Videos die Abläufe vorgeben.  Logischerweise kam dann die Frage, wie setze ich Bilder und Videos medienadäquat ein. Bei den Antworten darauf zeigte sich noch deutlicher der Unterschied von Video und Bild in einem Film bzw. AV-Schau. So wirken Dialoge und Interviews im Video authentischer, als im Bild. Das gilt besonders, wenn dazu der O-Ton läuft. Im Gegensatz zu Videos bleiben Bilder länger in Erinnerung als Videosequenzen. Bilder lassen sich zudem am Schneidetisch animieren, Kamerafahrten und Zooms können nachträglich gemacht werden, da die native Auflösung der Bilder weit besser ist, als die des Videos. Außerdem lassen sich mit Bildern, sofern man bei der Aufnahme daran denkt, Panoramen erzeugen, die dann als Vorlage für Kamerafahrten eingesetzt werden können. Bei Videoaufnahmen muß der Ausschnitt bei der Aufnahme sitzen, nachträgliche Änderungen, wie Ausrichten des Horizonts, sind nur begrenzt möglich. Ein Besonderheit bei Überblendungen von Bildern ist das sogenannte „Dritte Bild“. Dieses entsteht, bei richtiger Auswahl der Bilder, in der Überblendung und regt natürlich die Fantasie des Zuschauers besonders an.

Die Überblendungen sind bei AV-Schauen ein wichtiges Gestaltungsmittel, weit mehr, als beim Film. Insbesondere spielen die Transparenzen von Bildern mit Alphakanal eine wichtige Rolle. Herr Hartmann hatte dazu einige Beispiele mitgebracht, die das sehr anschaulich verdeutlichten. Dabei ist zu beachten, daß bei Bildern und Videos vom selben Motiv die Farben aufeinander abgestimmt werden müssen, da Bilder und Video verschiedene Farbräume nutzen.

Als Werkzeug für seine Schauen und Filme verwendet Herr Hartmann Wings Platinum. Das Programm hat viele Ähnlichkeiten mit Schnittprogrammen, ist aber darauf spezialisiert auch sehr komplexe Montagen mit vielen Bildern und Videos übereinander noch in Echtzeit abzuspielen. Dabei werden alle Effekte und Überblendungen in Echtzeit mit Hilfe der Grafikkarte berechnet. Die Anforderungen an den PC sind allerdings mindestens so hoch, wie bei einem Schnittcomputer, der auch AVCHD in Echtzeit abspielen kann.

Für den Soundtrack gilt es ebenfalls einiges zu beachten. Der Referent machte anschaulich den Unterschied zwischen ON-Ton und OFF-Ton deutlich. Als Filmer können wir bildsynchronen ON-Ton problemlos nutzen, weil er durch die Videokamera aufgezeichnet wird. Der OFF-Ton ist im ‚Off‘, hat also keinen direkten visuellen Bezug zum Bild. Mit Bildern in einer AV-Schau bzw. im Film läßt sich nicht immer der ON-Ton so einsetzen, wie es der Filmer gewohnt ist. Das Beispiel Dialog habe ich oben bereits beschrieben, ein anderes Beispiel wäre eine Dampflok im Bild mit ihrem Dampfgeräusch als Ton. Im Film überhaupt kein Problem, bei einem Bild paßt das irgendwie nicht recht zusammen. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang, daß man möglichst viel atmosphärischen Ton sammelt. Am besten geht das mit einem Flashcard-Rekorder. Da sind die Mikros eingebaut und es lassen sich Stunden auf einer SD-Karte aufzeichnen. Es lag nun nahe, daß Herr Hartmann die technischen Hintergründe der Tonaufzeichnung vertiefte. So zeigte er anschaulich, daß es keinen Sinn macht, bei Aufnahmen mit dem Flashrekorder diese voll auszusteuern. Es ist besser, diese auf ca. –20 dB zu lassen und später den Pegel im Schnitt- oder Audioprogramm anzupassen. Diese Reserve, der sogenannte Headroom, sorgt dafür, daß auch bei unvorhergesehenen Tonereignissen keine Übersteuerungen auftreten. Wenn möglich sollte die Aufnahme mit 24 Bit statt 16 Bit gemacht werden und natürlich im WAV-Format. Anschließend lernten wir eine ganze Menge über Mikrofone und deren Einsatzgebiete.

Nachdem so viel über Videos, Bilder und Ton gesagt wurde, konnten wir das anhand von zwei Filmen genauer betrachten. Dazu diente zunächst ein Film über den Bremer Samba Karneval. Dabei wurden Bilder und HDV-Aufnahmen so miteinander verwoben, daß ein Film entstand, der wohl alle Zuschauer begeistert hat. Nach der Vorführung wurde dieser Film detailliert analysiert. Bei dem zweiten Film, eine Präsentation über die „Völklinger Hütte“ (inzwischen Weltkulturerbe) von Mathias Michel, konnten wir sehen, was dabei herauskommt, wenn alle Register gezogen werden. Auch bei diesem Film konnte der Referent detailliert zeigen, wie es gemacht wurde.

Den Abschluß bildeten dann noch Ausschnitte einer Reiseschau über Kanada, den Herr Hartmann selbst gemacht hat. Auch hier konnte er einige Tricks zur Vertonung und zu den Bild- und Videoübergängen zeigen.

Wie interessant und für die Zuschauer auch fesselnd das Seminar war, zeigt sich am besten daran, daß wir fast eine Stunde den geplanten Zeitrahmen überschritten haben. Es hätte vielleicht noch länger gedauert, wir mußten den Kinosaal leider räumen, schließlich ist es ein Kino und die nächste Vorstellung konnte nicht warten.

Klaus Brachmann